Liebe Freundinnen und Freunde des Filmwochenendes,
inzwischen ist auch unser Programmspiegel online. Ihr findet ihn auf unserer Webseite: Programmspiegel 2025
Der Programmspiegel bildet den Spielplan aller Vorstellungen von Donnerstag bis Sonntag ab. Er ist nach Kinosaal sortiert und wenn Ihr mehr Infos zum jeweiligen Film sehen wollt, klickt einfach auf den Titel. Viel Spaß beim planen eurer Wunsch Vorstellungen. Und wenn ihr noch Anregungen braucht dann haben wir noch Filmtipps zum Thema "Flucht und Neuanfang".
Die Migrationsbewegung aus dem globalen Süden gilt als eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit und beeinflusst politische und gesellschaftliche Debatten in Deutschland in hohem Maße. Doch die Perspektive der Menschen, die hohe Risiken auf sich nehmen, um ihr Land verlassen und woanders neu anfangen zu können, kommt in diesen Debatten so gut wie nie vor.
Deshalb hat das Internationale Filmwochenende Würzburg einen Programmschwerpunkt gestaltet, in dem sich das Publikum den Strapazen und Gefahren der Flucht ebenso stellen kann wie den Herausforderungen und Schwierigkeiten nach der Ankunft. Katharina Schulz, Vorständin und ebenfalls Co-Leiterin der Programmgruppe der Filminitiative Würzburg e. V., sagt dazu: „Weltweit waren 2024 über 120 Millionen Menschen auf der Flucht und vielen Filmemacherinnen und -machern ist es ein Anliegen, zu diesem Thema zu arbeiten. Das ist enorm wichtig, denn gerade geflüchtete Menschen verlieren häufig ihre Sichtbarkeit in den Medien, da dort tagesaktuelles Geschehen in den Vordergrund gerät. Auch werden sie oft nicht als Individuen mit ihrem persönlichen Schicksal gezeigt, sie werden von rechter Politik menschenverachtend herabgewürdigt oder in Debatten instrumentalisiert. In Würzburg zeigen wir deshalb Dokumentationen und Spielfilme, die Fluchtgeschichten erzählen – vom Verlassen der Heimat bis hin zum Ankommen in anderen Ländern – und dabei empathisch Aspekte in den Blick nehmen, die in der polarisiert geführten Debatte oft untergehen.“
"Einhundertvier“ (Doku - Deutschland 2023)
Jedes Jahr fordert die Fluchtroute durch das Mittelmeer tausende Menschenleben. Die Echtzeitdokumentation „Einhundertvier“ zeigt, wie quälend lange es dauert, 104 Personen von einem sinkenden Schlauchboot zu bergen. Mensch für Mensch, Schritt für Schritt wird die Aktion mit mehreren parallelen Kameras begleitet. Der Film ist wie ein Beweisstück für das Unrecht, das an Europas Grenzen passiert.
„Klandestin“ (Thriller - Deutschland 2024)
Der Künstler Richard kann sich seine britische Heimat nicht mehr leisten und lebt in Tanger. Mit seiner Hilfe schafft der junge Marokkaner Malik es zu seinem Sehnsuchtsort Europa. Dort soll ausgerechnet die konservative Politikerin Mathilda ihn verstecken. Mathildas Assistentin, die Juristin Amina, die ihre marokkanischen Wurzeln endlich hinter sich lassen will, wird als „kulturelle Vermittlerin“ eingeschaltet. Doch Malik hat eigene Pläne.
"Quelques jours pas plus“ (Tragikomödie - Frankreich 2024)
Als der Journalist Arthur Berthier über die Räumung eines Migrantencamps berichten soll, wird er von einem Polizeibeamten mit dessen Schlagstock niedergestreckt. Trotzdem ist Arthur die schöne Leiterin der NGO Solidarité Exilés aufgefallen, und so besucht er ein Treffen der Organisation. Dort wird er Held gefeiert und kann gerade deshalb nicht anders, als den jungen Afghanen Daoud bei sich aufzunehmen. Nur für ein paar Tage, wie Arthur denkt.
„To a land unknown“ (Drama - Großbritannien, Staat Palästina, Frankreich, Griechenland, Niederlande, Deutschland, Katar, Saudi-Arabien 2024)
Die palästinensischen Flüchtlinge Chatila und Reda haben einen Traum: Sie wollen in Deutschland ein Café eröffnen. Die Cousins haben es bis nach Athen geschafft. Allerdings leben sie hier am Rande der Gesellschaft, ohne Papiere, ohne Perspektive und ohne Geld. Doch Aufgeben ist keine Option.
Insgesamt kann sich das Würzburger Publikum auf ein Programm aus rund 60 Spielfilmen vom Drama über Komödien bis hin zum Horrorfilm sowie Dokumentarfilmen freuen. Hinzukommen zwei Kurzfilmblöcke, darunter erstmals ein Block mit ausschließlich Animationsfilmen, und mehrere spezielle Reihen. So sind 35 Jahre nach der friedlichen Revolution in der DDR mehrere Filme zu sehen, die sich mit dem anderen deutschen Staat beschäftigen. Ein Highlight des Festivals ist sicher der Besuch des Regisseurs Andreas Dresen, der mehrere seiner Filme hier vorstellt („Gundermann“, „Als wir träumten“, „Stilles Land“ sowie „In Liebe, eure Hilde“). Auch in der Retrospektive mit Filmen der Schauspielerin Antje Traue, die ebenfalls beim Festival anwesend sein wird, findet sich ein Film mit DDR-Bezug (die Komödie „Kundschafter des Friedens“). Eine ganz neue Produktion ist „Jenseits der blauen Grenze“ (Deutschland 2024), in der eine Schwimmerin zusammen mit ihrem Freund die Flucht aus der DDR plant – wofür sie 50 Kilometer durch die Ostsee schwimmen müssen. Florian Hoffmann, Vorstand der Filminitiative Würzburg e. V., ergänzt: „Einen weiteren Blick werfen wir auch auf das Thema Kunst und Kultur. Der weltweit für seine Streetart bekannte Künstler JR hat einen Film über ein Projekt gemacht, in dem er mit Gefangenen in einem Hochsicherheitsgefängnis in den USA zusammengearbeitet hat und in dem sie über sich und ihr Leben nachdenken. Musikliebhaberinnen und -liebhaber können sich auf die Dokumentation freuen, die von der Jazzszene in Detroit erzählt. Und einer dänischen Regisseurin wurde das ungeheure Glück zu Teil, in eine brasilianische Community aufgenommen zu werden, die hausgroße Ballons baut und sie illegal steigen lässt. Diese Filme zeigen, dass Kunst das Unmögliche möglich machen kann.“ Traditionsreiche Programmbestandteile sind die Nachschiene mit drei Filmen aus den Genres Horror und Thriller sowie das Japan-Spezial mit vier Filmen. Ein weiteres Highlight für Filmfans ist das multimediale „Spotlight Werner Herzog“ mit dem Dokumentarfilm „White Diamond“ (Deutschland, Großbritannien, Japan 2004), einem biographischen Dokumentations-Feature und einer Lesung. Die Reihe wird präsentiert vom Filmjournalisten Moritz Holfelder.
Wenn Ihr Feedback, Fragen oder Anregungen zum Newsletter oder dem Festival habt, dann schreibt gerne eine Nachricht an info@filmwochenende.de
Schöne Grüße und Viel Spaß beim Filme schauen
Euer FiWo Team